Finistere – Das Interview

Interview mit Lena Mühl, Nicole Tröger und Christoph Minkenberg

Innere Apokalypse
Finistère, die gleichnamige Region im hohen Nordwesten Frankreichs bekam ihren Namen von den Römern, „Finnis Terrae“ bedeutet Ende der Welt. Inwiefern reisen wir mit Eurer Inszenierung ans Ende der Welt?

Inspiriert hat uns Samuel Becketts „Endspiel“. Ein Stück über Hoffnungslosigkeit, über den Zeitpunkt an dem alles zu Ende geht. Allerdings sind Becketts Figuren alt und gebrechlich. Das sind wir nicht. Darum interessiert uns eine inhaltliche Übersetzung von Becketts Material. Was bedeutet ein vorzeitiges Ende für Menschen, die gerade im Beginn eines selbständigen, eigenverantwortlichen Lebens stehen. Wir erforschen in Finistère psychische Fallhöhen dreier Figuren, die versuchen um Hoffnung zu kämpfen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Uns interessiert in Finistère nicht die große Klimakatastrophe oder dass draußen Straßen brennen, uns geht es viel mehr um die innere Apokalypse.

Euer Schauspiel zeichnet ein apokalyptisches Szenario, das zudem sehr nah zu sein scheint? Es geht um Bedrohung, Angst und Unterwerfung. Klingt nach Houellebecq?

Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ hat eine religiöse sowie politische Dimension, weil dort Unterwerfung unter anderem auf die Wortbedeutung des Islam referiert. Bei uns ist Unterwerfung eher eine Folge von Machtstrukturen, die entstehen, wenn man sich auf engstem Raum begegnet und versucht Haltung zu bewahren. Wir haben uns bei der Stückentwicklung tatsächlich null mit Houellebecq beschäftigt. Außerdem geht es bei uns auch um Gefühle, wie Angst und Bedrohung, aber mehr – und vor allem – im Hinblick auf das persönliche Ende. Dem gegenüber stehen in Finistère aber auch die Suche nach Nähe und Gemeinsamkeit.

Schließlich verhandelt Ihr die Notwendigkeit, sich den angesprochenen Ängsten zu stellen. Ist das die Quintessenz des Abends, gewissermaßen der therapeutische Rat, den die Zuschauer mit nach Hause nehmen sollen?

Natürlich thematisieren wir auch Ängste und den Umgang mit ihnen. In erster Linie geht es uns aber darum eine Geschichte zu erzählen. Wir setzten uns auf einer sehr persönlichen, figürlichen Ebene mit dem Ende der Welt auseinander, darum kann es natürlich auch für jeden Zuschauenden etwas anderes bedeuten, jeden anders berühren. Im Großen und Ganzen beschreiben wir die Situation dreier sich unbekannter Menschen, die sich in einem Raum befinden, aus dem sie nicht fliehen können. Und was das mit ihnen macht.

Informationen zum Stück
Finistère – Die Galerie