Paare in Zeiten der Hysterie – Das Interview

Interview mit Elsa Weise und Ralf Bockholdt

„Ist Paarung Verdopplung oder Spaltung?“
Nehmen wir Theater-affine Bürger*innen dieser Stadt, was Eure Inszenierung angeht, aber gänzlich unbeleckt. Wie erklärt Ihr ihnen, worum es in „Paare in Zeiten der Hysterie“ geht?

Elsa Weise: Dieses Stück ist ein Narrenstück, eine fröhliche Anordnung von Ausschnitten aus Texten von u.a. Tschechow, Shakespeare, Dario Fo oder Moliere, in denen es um Paarbeziehungen geht, die funktionieren oder eben nicht. Was Tom Wolter und wir beide da erarbeitet und inszeniert haben, geht auf eine zum Teil 400-jährige Volkstheatertradition zurück. Es wird komödiantisch, ohne aber ins Caveman-hafte abzugleiten. Denn überall da, wo Paare und Beziehungen besprochen werden, lauern natürlich Klischees. Die haben wir versucht zu umgehen.
Vielmehr haben wir uns mit einer netten Leichtigkeit Fragen wie diese gestellt: Ist Paarung Verdopplung oder Spaltung? Was prallt da aufeinander? Warum lieben und töten wir uns immer wieder?

Ralf Bockholdt: Grundsätzlich ist die Inszenierung ein Abenteuer und der Zuschauer sollte bereit für dieses Abenteuer sein. Denn diese Inszenierung ist eben kein vorgefertigtes Stück im Sinne einer klassischen Vorführung.

Aber es ist ein Stoff, an dem sich die Theater-Historie bereits trefflich abgearbeitet hat. Kann die WUK-Inszenierung da überhaupt noch neue Facetten hinzufügen?
Elsa Weise: Wir denken ja. Denn wir arbeiten mit Stilmitteln aus Volkstheater, klassischer Komödie und Slapstick. Das lässt die Spieler nicht zu psychologischen Charakteren sondern eher zu Figuren werden. Das wiederum macht das doch so belastete Beziehungsthema ein ganzes Stück leichter. Das finde ich schon neu. Und cool!

Ralf Bockholdt: Definitiv! Wir hatten ja ursprünglich den Arbeitstitel „Fünf Unmöglichkeiten einer Beziehung“. Und das spielt eben darauf an, dass die meisten Menschen bei diesem Thema erwarten, dass sich das Stück damit auseinandersetzt, wie das mit den Beziehungen gut gehen kann. Unserer Ansatz ist eben genau andersherum. Wie sieht das aus, wenn Beziehungen nicht funktionieren. Und ist genau das am Ende nicht vielleicht doch das Funktionierende. Das ganze garniert mit komödiantischer Lust, ist meines Erachtens nach ein tatsächlich neuer Ansatz, mit diesem Thema umzugehen.

Auch die Theater-Zielgruppen sind sehr heterogen. Wer genau darf sich von „Paare in Zeiten der Hysterie“ angesprochen fühlen?
Ralf Bockholdt: Ich würde tatsächlich sagen, von diesem Stoff fühlen sich alle angesprochen. Selbst Kinder. Keinesfalls sollten hier nur Paare aufhorchen.

Elsa Weise: Ich würde da auch nichts eingrenzen. Es ist für Jugendliche und Studenten geeignet genauso für Theatergänger und Leute, die an diesem Ort hier interessiert sind – eigentlich für alle, die sich nachts durch den Tunnel trauen. Und nicht mal die Freunde des Bieres haben eine Ausrede. Das gibt es bei uns nämlich auch. (lacht)

Informationen zum Stück
Paare in Zeiten der Hysterie – Die Galerie

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