#MoskauMoskau – Das Interview

Deutsch-russische Sehnsucht

Interview

Nicole Tröger und Tom Wolter erklären, warum die zweite Etappe des WUK nach Moskau führt und warum es sich lohnt zu folgen.

Jedem Anfang wohnt ja bekanntlich ein Zauber inne. Der Zauber zum Jahresanfang am WUK-Theater wird mit dem neuen Spielzeit-Kapitel „Moskau Moskau“ ein russischer sein. Welche Idee steckt dahinter und wird es in diesem Kontext auch wieder Eigenproduktionen geben?

Eine Sehnsucht nach Moskau. Und eine Sehnsucht der Moskauer nach Deutschland! Inspiriert hat uns eine Reise nach Moskau im September 2017. Begeistert, überwältigt, teilweise geradezu erschlagen von der Größe der Stadt, der Mächtigkeit und Prächtigkeit. Vor allem die Vergangenheit ist in Moskau spürbar, der Stolz auf die Menschen, die Russland groß gemacht und nach außen repräsentiert haben. Im Künstlerischen Sinne, sind es da vor allem Schriftsteller, an die wir uns erinnerten, von denen wir gelesen haben, die wir verehren und deren Werke wir heute noch schätzen. Puschkin, Dostojewski, Bulgakow, Gogol, Tolstoi, Tschechow, Charms um nur einige zu nennen. Wir nehmen das Stück „Sojas Wohnung“ von Bulgakow und verwandeln damit das WUK in eine Moskauer Wohnung. In dieser Moskauer Wohnung finden alle Veranstaltungen statt. Hier treffen sich Musik, Theater und Literatur. Und wir eröffnen „Moskau Moskau“ mit der Inszenierung von „Sojas Wohnung“ mit dem Studierendentheater der Uni Halle.

Wenn „Moskau Moskau“ inhaltlich gefüllt sein wird, wird in diesem Kapitel freilich keineswegs nur Theater drin sein. Worauf darf sich das geneigte Publikum noch freuen?

Wie Moskau selbst soll auch unser Kapitel „Moskau Moskau“ bunt, prächtig und weitläufig sein. Neben der Premiere des Studierendentheaters mit „Sojas Wohnung“, wird es russische Musik, Bilder und Literatur geben. Außerdem planen wir den diskursiven Austausch über politische Strukturen Russlands, über die deutsch-russischen Verbindungen und politischen Verhältnisse. Dazu laden wir städtische Partner*innen und Expert*innen zu Impulsvorträgen und Gesprächsmoderationen ein. Auch Marc Antoine Petit, der uns bereits im Kapitel „Hysterie“ begleitet hat, wird mit begehbarer Kunst und Gestaltung ein Stück Moskau ins WUK bringen. Wir werden aber darüber hinaus auch mit Künstlern zusammenarbeiten, die ihre Wurzeln in Russland haben, dazu freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit den Russland-Deutschen, welche in Halle zu Hause sind.

Zuletzt „Hysterie“, jetzt „Moskau Moskau“ – das WUK arbeitet ja nicht in klassischen Spielzeiten sondern in deutlich kürzeren Kapitel-Frequenzen. Gehen diese in gewisser Weise ineinander über oder gibt es harte Schnitte?

Jedes Kapitel steht unabhängig für sich und bietet neue, andere Assoziationsräume und theatrale Erlebnisse. Dennoch wird es kapitelweise Konstanten geben, die prägnant für das WUK sind, unsere Arbeitsweise beschreiben und uns ausmachen. Wie schon erwähnt wird Marc Antoine Petit uns als bildender Künstler bei „Moskau Moskau“ begleiten und das WUK weiter mit seinen Bildern und Skulpturen gestalten. Wir freuen uns schon sehr, wie viel Moskau am Ende im WUK steckt oder wie viel WUK an „Moskau Moskau“.

Und schließlich: Politisch ist Russland mit Putins Nationalismus und Autoritarismus heute höchst umstritten. Wird auch Derartiges in die Inszenierungen einfließen?

Ja, wir sehen Russland heut vor allem als die Realisierung der politischen Idee einer einzelnen Person. Dabei haben wir bemerkt, dass Russland nicht Putin ist. Und das Russland auch nicht der Zar oder Stalin war. Vor hundert Jahren war der künstlerische Austausch zwischen Deutschland und Russland scheinbar – auch ohne Internet – intensiver, differenzierter und hochaktuell.

Heute sind beide Kulturen voneinander entkoppelt. Doch wenn man heute in Moskau ist, spürt man die enge Verzahnung der deutschen und der russischen Kulturen; vielleicht als ehemaliger DDR Bürger noch mehr als ein nach 1990 geborener! Das beschäftigt uns und hat auch seinen Anteil an „Moskau Moskau“.