MoskauMoskau#2- RUSSIAN ANGST – Lesung und Diskussion mit Thomas Franke

Datum/Zeit
Date(s) - 23.02.2018
20:00 - 21:30

Russian Angst

Einblicke in die postsowjetische Seele

Lesung und Diskussion mit Thomas Franke

 Wir laden ein zur Buchlesung und anschließendem Gespräch. Und wir freuen uns auf den Journalisten und Reisenden und Autoren Thomas Franke.

„Kann man noch Neues aus Putins Reich berichten? – Man kann, wenn man wie der Journalist Thomas Franke Russland seit mehr als 20 Jahren bereist und die letzten vier Jahre in Moskau gelebt hat. Mit scharfem Blick und präzisem Ton erzählt er von seinen Begegnungen und Erfahrungen in der Hauptstadt, auf der Krim, in Wolgograd, Sotschi, Irkutsk und Novosibirsk.

Als Franke im Januar 2012 nach Moskau zog, demonstrierten mehr als 100.000 Menschen in Eiseskälte gegen Wahlfälschungen. Der Journalist ließ sich von der Aufbruchsstimmung mitreißen, glaubte, Zeuge einer demokratischen Wende zu sein. Doch er wurde zum Chronisten einer Entwicklung, die er nicht für möglich gehalten hatte: die Reaktivierung sowjetischer Reflexe, die Rückkehr der Angst in die russische Gesellschaft.

Tief sitzen in der Seele vieler Russen das Trauma des Zusammenbruchs der UdSSR und die narzisstische Kränkung, keine Großmacht mehr zu sein. Zusammen mit der desaströsen wirtschaftlichen Lage führt dies zu jener »Russian Angst«, aus der Nationalismus und weltpolitischer Machismo erwachsen. Diese Angst, so Franke, ist in Russland überall spürbar: Die Staatsmacht unter Putin nutzt sie, um ihre Autorität zu stärken und die Moral der Opposition zu untergraben. Und zugleich schürt das Regime die Angst der Menschen vor Macht- und Identitätsverlust, vor der weltpolitischen Marginalisierung: In der postsowjetischen Seele gärt eine explosive Mischung.“ (Körber- Stiftung)

„Thomas Franke erblickt die größte Bedrohung für die russische Gesellschaft in jenem diffusen Gefühl, das er mit dem Reimport eines deutschen Fremdworts im Englischen als „Russian Angst“ bezeichnet. Die russischen Bürger fürchten die Gefahren einer unsicheren Zukunft seit dem Ende der Sowjetunion: Die kommunistische Zukunft hatte sich in Nichts aufgelöst, an ihre Stelle war der nackte Überlebenskampf getreten. Wechsel bedeutete aus der Sicht des einfachen Bürgers immer nur eine Verschlechterung der eigenen Lebensumstände. Diese beklemmende Grundstimmung wird seit jeher von den Polittechnologen des Kremls für die Herrschaftssicherung genutzt. Sowohl Jelzin als auch Putin wurden den Wählern als „alternativlos“ präsentiert. Man zeichnete Schreckensszenarien, die von einem Rückfall in den Stalinismus bis zur Machtergreifung von Rechtsradikalen reichten. Medienschaffende, die ihre Stimme warnend erhoben, wurden eingeschüchtert.

Franke gibt einen Einblick in die Dynamik der Protestbewegung des Winters 2011/2012. An einzelnen Biographien zeichnet er nach, wie die Anwendung von Polizeigewalt einfache Demonstranten in engagierte Aktivisten verwandelte. Umgekehrt dokumentiert er, mit welchen Mitteln der Kreml eigene Loyalitätskundgebungen organisiert. Er kritisiert die selbsternannten Sittenpolizisten, die in Kosakenkostümen „amerikanische Propaganda“ oder die „Verbreitung von Homosexualität“ bekämpfen wollen, und dokumentiert die fragwürdigen Aktionen der „Nationalen Befreiungsbewegung“ des linientreuen Duma-Abgeordneten Jewgeni Fjodorow. Als Speerspitze dieser Bewegung agiert die attraktive Einpeitscherin Maria Katassonowa, die sich immer wieder für die nationale Wiedergeburt Russlands in Szene setzt.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Das Buch ist im Verlag der Körber- Stiftung 2017 erschienen und hier kann man es bestellen.

Zum Autor: „Thomas Franke ist Journalist und Autor. Er bereist Russland seit mehr als 20 Jahren und lebte von 2012 bis 2016 in Moskau. Franke produzierte für das Deutschlandradio, die ARD und die BBC und andere Rundfunkanstalten 25 Jahre lang Alltagsreportagen, Langzeitdokumentationen und politische Analysen aus Russland, der Ukraine, dem Kaukasus und vom Balkan. Er arbeitet außer dem literarisch und schreibt Gedichte, Hör- und Theaterstücke und produziert Kurzfilme und Dokumentationen.“ (Körber- Stiftung)

Termin:

23.2.2018, 20:00 Uhr im WUK Theater Quartier am Holzplatz 7a

Die Abvendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Buchungen sind für diese Veranstaltung nicht mehr möglich.

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