HYSTERIE#1- GASTSPIEL HERZSCHRITTMACHER♥INNEN

Datum/Zeit
Date(s) - 08.12.2017
20:00 - 21:30

HERZSCHRITTMACHER♥INNEN

Wir freuen uns auf „Herzschrittmacher*innen“, das Gastspiel des Hildesheimer Theater- und Performance-Kollektivs „edgarundallan“. Über die mittlerweile preisgekrönte Produktion haben wir vorab mit Sira Möller und Winnie Wilma, den künstlerischen Leiterinnen des Kollektivs gesprochen. 

Trauer, Witz und Wohlgefühl

Halle hat tatsächlich eine reichhaltige Theaterszene, die sich eigentlich fast immer munter Konkurrenz macht. Was würdet Ihr der Szene sagen, warum sie etwas verpassen würde, wenn sie am kommenden Freitag nicht ins WUK Theater Quartier käme?

Es gibt viele Gründe. Zwei aber möchten wir hervorheben: Zum Einen versuchen wir uns an einem so universellen und emotionalen Thema, nämlich dem der Pflege und der menschlichen Sterblichkeit szenisch abzuarbeiten. Das Thema zieht sich durch alle Schichten und Geschichten, denn jede*r steht in irgendeiner Weise mit Gepflegten oder Pflegenden in Bezug. Dabei war uns aber auch die Umsetzung wichtig, also das Format, in dem die Zuschauer*innen, den Theaterabend erleben.

Da wären wir bei dem zweiten Grund. Das Publikum erlebt das Stück aus nächster Nähe, die Spielerinnen Clara Wiese und Lena Albrecht zeigen das Stück an und um sie herum. Außerdem gibt es eine durchlässige Interaktion. Die Zuschauer werden gleichermaßen zu Gegenständen der Inszenierung. Gerade für ein Publikum, dass mit interaktiven Formaten noch nicht so vertraut ist, ist es eine gute Gelegenheit, so etwas mal kennenzulernen.

Der Clou Eurer Produktion ist, dass das Publikum nicht auf Stühlen Platz nehmen können wird. Nicht weil es zu wenige gibt, sondern gar keine. Warum und welche Idee steckt dahinter?

Bei dieser Inszenierung denken wir Theater sehr räumlich. Man kann es mit einem Labor vergleichen, in dem gewohnte Sichtweisen gebrochen und weiterentwickelt werden. Für Herzschrittmacher*innen haben wir daher einen atmosphärischen Raum geschaffen, in dem das Publikum Teil der räumlichen Erfahrung wird und anstatt auf den gewohnten Plastikstühlen nun eben auf Rollstühlen und Rollatoren Platz nimmt. Wie sich die eigene Wahrnehmung verändert und weiterentwickelt, wenn man sich in einer solchen Situation befindet, ist daher ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Im Stück wollt Ihr unter anderem darüber sprechen, wie es sich anfühlt, in einem Pflegeheim zu wohnen, zu leben und zu sterben. Hört sich nach einer eher traurigen und ernsthaften Inszenierung an. Ist sie das auch?

Genau darin lag für uns der Reiz des Themas: Pflege bedeutet nicht automatisch Leid und Trauer. All das kann sie zwar bedeuten, aber Pflege kann eben auch gute Momente erzeugen. Momente voller Witz und Wohlgefühl. Wir haben in unserem Rechercheprozess versucht uns ein ganz diverses Bild der aktuellen Pflegethematik zu machen:

Wir haben mit Pfleger*innen gesprochen und mit Gepflegten, wir haben aber auch in unseren eigenen Erfahrungen gesucht und immer wieder kamen wir zu dem Punkt, dass Vergänglichkeit und Verwundbarkeit nicht immer in ein großes graues Loch führen, sondern dass sie ganz vielen Situationen auch erst einen Wert geben. Und genau diese Diversität an Emotionen haben wir versucht in unsere Inszenierung einzubauen, damit man eben nicht aus dem Abend herausgeht und gelähmt ist vor Traurigkeit.

Beteiligte:

Performance: Lena Albrecht, Inke Johannsen, Clara Wiese, Winni Wilka

Künstlerische Leitung: Sira Möller, Winni Wilka

Musik: Hanna Heitmann, Sira Möller, &Claudia

Weitere Informationen über edgar & allan unter: https://www.edgarundallan.com/

Termin:

8.12.2017

20:00Uhr im WUK Theater Quartier am Holzplatz 7a

Die Abvendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Buchungen sind für diese Veranstaltung nicht mehr möglich.